14 06 17 Wortmeldung von Nuntius Eterovic auf der Podiumsdiskussion der Jahrestagung Weltkirche und Mission

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail



Podiumsdiskussion Stellung der Entwicklungsarbeit
auf der Jahrestagung Weltkirche und Mission

Wortmeldung des Apostolischen Nuntius
Erzbischof Nikola Eterović

Würzburg, 17. Juni 2014



Exzellenzen,
verehrte Verantwortliche der verschiedenen Bereiche,
liebe Brüder und Schwestern,

die Organisatoren dieses Podiums haben gebeten, einige Grundlinien des Heiligen Stuhls über das Modell der Entwicklung unserer Welt aufzuzeigen. Ich tue dies gern in der Hoffnung, daß dieser kurze Einwurf für unsere Reflexion nützlich sein kann.

1. Kritik am gegenwärtigen Modell der Entwicklung. Allen ist die Kritik bekannt, die der Heilige Vater Franziskus schon oft mit Blick auf die aktuelle soziale Situation und das dominierende Entwicklungsmodell ausgeführt hat. Im Interview in der Zeitschrift La Vanguardia vom 13. Juni hat der Bischof von Rom seine Kritik bekräftigt: „Wir werfen eine ganze Generation weg, um ein ökonomisches System zu erhalten, das nicht mehr hält“. Der Heilige Vater bezieht sich auf die Abfallmentalität der Jungen und der Alten. In den europäischen Ländern ist die Jugendarbeitslosigkeit besorgniserregend. Mehr als 75 Millionen junger Menschen unter 25 Jahre in Europa haben keine Arbeit; in einigen europäischen Ländern übersteigt die Jugendarbeitslosigkeit die 50%-Marke. Auf der anderen Seite werden die Alten, die lebendige Erinnerung eines Volkes, an den Rand gedrängt und nicht selten zu Tode gebracht, auch mit Praktiken der Euthanasie. Dann gibt es auch das große Problem des Hungers in der Welt. Nach Worten des Papstes könnte man immer mit der Nahrung, die verbleibt, die Menschen, die Hungers sterben, ernähren.

Solche Kritik, wir können sagen am System des hemmungslosen Kapitalismus, der im Zentrum den Götzen des Geldes und des Profits hat, wurde auch ausgeführt in der Apostolischen Exhortation Evangelii gaudium. Es genügt das Kapitel vier zu lesen: Die soziale Dimension der Evangelisierung (NN 177-258). Die kritischen Anmerkungen des Heiligen Vaters Franziskus fügen sich ein in die Soziallehre der Kirche. Auch Papst Benedikt XVI. hat in der Enzyklika Caritas in veritate eine kritische Vision des grundlegenden ökonomischen Modells unserer Welt entwickelt. Hierzu kann man das dritte Kapitel des Dokuments anführen: Brüderlichkeit, ökonomische Entwicklung und Zivilgesellschaft, in dem unter anderem vorgeschlagen wird, daß sich „die Globalisierung der Menschheit orientieren (muss) an den Begriffen der Bezogenheit, der Gemeinschaft und des Teilens“ (N. 42).  2. Konkrete Vorschläge. Der Wechsel des ökonomischen Systems, das den Mensch ins Zentrum rücken muss und nicht das Geld, erfordert eine allgemeine Konzentration der politisch und ökonomisch Verantwortlichen der Welt. Dieser befürwortete Prozess braucht einen gewissen Wandel nach den gemeinschaftlichen Werten wie: die universale Bestimmung der Güter der Erde; eine besser Verteilung des Reichtums; der Zugang aller zu moderner Technologie; die Suche nach einer größeren Gerechtigkeit; die Formation einer neuen ökologischen Sensibilität. Das wird möglich sein in der Überwindung einer Mentalität des Konsums zu einer Mentalität hin, die sich auf die Prinzipien von Subsidiarität und Solidarität gründet. Sicherlich, ein solcher Prozess braucht Zeit. In der Zwischenzeit aber ist es nötig zu handeln und nicht nur zu reden, zu kritisieren und zu lamentieren.

In diesem Zusammenhang hat Papst Franziskus einige Initiativen angeregt, die jeder Mensch guten Willens und beginnend mit den Christen machen könnte. Als er die Gruppen der Misericordie e Fratres d’Italia am 14. Juni 2014 empfing, hat er an die sogenannten leiblichen Werke der Barmherzigkeit erinnert, die ein Teil der traditionellen Lehre der Kirche sind: „Gebt den Hungrigen zu essen, gebt den Dürstenden zu trinken, kleidet die Nackten, beherbergt die Pilger, besucht die Kranken und die Gefangenen, bestattet die Toten. Ich ermutige euch, mit Freude eure Aktionen fortzuführen und sie zu formen zu Handlungen Christi, so daß alle Leidenden euch treffen und mit euch rechnen können in den nötigen Momenten. Er ist es selbst mit seinem Charisma“.

Mit seinem Charisma hat der Papst solche Werke in die Praxis umgesetzt. Wir erinnern uns an seinen Besuch auf Lampedusa am 08. Juli 2013, um den Flüchtlingen zu begegnen; oder an seinen Besuch im Jugendgefängnis Casa del Marmo am Gründonnerstag am 28. März 2013; an die verschiedenen Begegnungen mit den Armen, darunter die in der Gemeinschaft von Sant’ Egidio am 15. Juni 2014.

Andere Initiativen richten sich auf eine Konzentration auf Gemeinschaft: Es ist eine Schande, daß in unserer Welt etwa eine Milliarde Menschen Hunger leiden. Papst Franziskus hat sehr stark die Kampagne Eine einzige menschliche Familie. Nahrung für alle von Caritas Internationalis unterstützt im Kampf gegen diese Geißel (Videobotschaft vom 09. Dezember 2013). Alle Christen und die Menschen guten Willens sollten in dieser Weise Partei ergreifen.

Ausrotten der extremen Armut und des Hunger in der Welt war das erste Ziel, das bis Ende des Jahres 2015 zu erreichen ist. Auch wenn einige Erfolge anzuerkennen sind, ist dieses Ziel bei weitem nicht erreicht. Die Bewohner der reichen Länder müssten bald Druck auf ihre Regierungen machen, natürlich auf demokratische Weise, vor allem durch Wahlen, damit sie einlösen, was sie feierlich zugesagt haben, einen Teil ihrer nationalen Wirtschaftsleistung (0,7%) diesem noblen Ziel zu widmen.

3. Der Friede in der Welt. Der Heilige Stuhl bemüht sich mit allen Mitteln um die Förderung des Friedens in der Welt. Ohne Frieden gibt es keine Entwicklung; ohne Friede setzt sich der Exodus vieler Menschen auf der Suche nach ruhigen Orten für sich und ihre Familien fort. Die Hilfe an die Flüchtlinge ist eine dringende Pflicht, ist ein Maß nur zeitlicher und provisorischer Art. Eine dauerhafte Lösung erfordert die Entwicklung der Herkunftsländer der Flüchtlinge, damit die Hauptgründe ihres Exodus’ aufhören. Wo kein Friede ist, kann es keine harmonische und dauerhafte Entwicklung geben. Die Kirche, gemeinsam mit allen politischen, sozialen, nationalen, regionalen und internationalen Akteuren muss ihre Kräfte bündeln in der Förderung des Friedens in Gerechtigkeit. Leider investieren viele relativ arme Länder viel Geld, um Waffen zu kaufen, dagegen vernachlässigen sie die Bildung, das Gesundheitswesen und grundlegende Entwicklung. Wenn dieser Skandal nicht aufhört, wird man das Problem des Hungers, der Unterentwicklung, der Migration und Immigration nicht dauerhaft lösen. Wie bekannt, begeht die Katholische Kirche seit 46 Jahren den 01. Januar als Welttag des Friedens. Papst Franziskus hat den Tag des Fastens und des Gebets für den Frieden in Syrien, im Mittleren Ostern und in der ganzen Welt am 07. September 2013 gefördert und am 08. Juni 2014 den Aufruf zum Frieden im Mittleren Osten und in der Welt. 

Verbinden wir uns mit dem Gebet der Kirche, aber auch mit den kleinen und großen Initiativen, die das Ziel haben, den Frieden und die nachhaltige Entwicklung der Menschen der Welt, in einem Prozess der Globalisierung der Solidarität.