Grußwort von Nuntius Eterovic auf dem Nikolausempfang in der Apostolischen Nuntiatur

Berlin, 6. Dezember 2018

Exzellenzen,
verehrte Mitbrüder im Priester- und Diakonenamt,
sehr geehrte Ordensleute,
liebe Brüder und Schwestern!

„Alle sollen eins sein“ (Joh 17,21).

Mit diesen Worten betet Jesus Christus im dramatischsten Moment seines irdischen Lebens um die Einheit seiner Jünger. Bevor er sich dem Leiden unterwirft und zu unserem Heil den Tod erleidet, bittet er den Vater, „alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein“ (Joh 17,21). Diese Einheit soll ein Zeichen der Glaubwürdigkeit sein, „damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast“ (Joh 17,21).

Das Gebet Jesu ist in der zweitausendjährigen Geschichte der Kirche stets aktuell geblieben. Es bleibt auch heute angesichts der alten und neuen Teilungen der Jünger Jesu Christi aktuell. Der auferstandene Herr, der Sieger über Tod und jede Teilung, fordert sein Jünger von heute dazu auf, zu beten und die Einheit der Kirche, die sein mystischer Leib ist, zu gestalten.

An diesem großen Werk mitzuwirken, ist jeder Getaufte aufgerufen. In besonderer Weise nehmen an diesem Werk der Einheit in Liebe die Heiligen teil, die sich bemüht haben, persönlich und als Glieder der Gemeinschaft ihren Beitrag an der Stärkung der Einheit der Kirche zu leisten, oder deren Wiederherstellung gesucht haben, wo es Teilungen der verschiedenen Art gab.

Heute am Gedenktag des Heiligen Nikolaus danken wir dem dreieinen Gott für das Geschenk dieses Heiligen an die Kirche. In besonderer Weise danken wir dem Vater, Sohn und Heiligem Geist für die ökumenische Bedeutung des Heiligen, der geistlich den vornehmlich orthodoxen Osten und den in der Mehrheit katholischen Westen, wo es außerdem eine Anzahl evangelischer Gemeinschaften gibt, verbindet. In allen christlichen Denominationen wird an den Heiligen Nikolaus gedacht und wird er verehrt. Das bezeugt sein Grab, das sich im apulischen Bari befindet, in der ihm geweihten Basilika, die zur Pilgerstätte geworden ist, wohin Menschen aus aller Welt strömen. Zahlreiche Ikonen in den orthodoxen und griechisch-katholischen Kirchen sind dem Heiligen Nikolaus geweiht, der etwa im Jahr 270 geboren wurde und um das Jahr 343 in Myra in der heutigen Türkei gestorben ist. Der Heilige ist besonders bei den Kindern beliebt, weil er ihnen nach einer schönen Tradition Geschenke bringt. Auch wenn sein Leben von vielen Legenden umrankt ist, so gibt es doch einige grundlegende historische Daten, die nicht nur seine Existenz belegen, sondern auch von seinem bischöflichen Wirken zeugen. Besondere Aufmerksamkeit verdient hierbei seine Teilnahme am Konzil von Nicäa im Jahre 325 und sein überzeugter Kampf gegen den Arianismus, was die Verteidigung der orthodoxen Lehre über die wahre menschliche und wahrhaft göttliche Natur der Person Jesu Christi meint. Auf diese Weise zeigt uns der Heilige Nikolaus, dem auch in Berlin die älteste noch intakte Kirche geweiht ist, die Bedeutung des rechten Glaubens für die Einheit der Christen.

Exzellenzen, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, ich danke Ihnen von Herzen, daß sie der Einladung zum Nikolausempfang gefolgt sind, der mittlerweile zu einer kleinen Tradition geworden ist. Danke, daß Sie in diese Apostolische Nuntiatur gekommen sind, in das Haus des Heiligen Vaters Franziskus in der Bundesrepublik Deutschland. Ich grüße Sie herzlich auch im Namen meiner Mitarbeiter, besonders Namens des neuen Nuntiaturrats Mons. Dr. Claudiu Carteş, der seit September in dieser Päpstlichen Vertretung in der Nachfolge von Mons. Dr. Mitja Leskovar arbeitet, der jetzt seinen diplomatischen Dienst in der Apostolischen Nuntiatur in Indien in New Delhi leistet.

Der Gedenktag des Heiligen Nikolaus am 6. Dezember fällt zusammen mit dem Beginn der Adventszeit und der Vorbereitung auf das Heilige Weihnachtsfest. Weil ich weiß, daß Sie alle in den nächsten Wochen viel beschäftigt sein werden, pastoral, kulturell und caritativ, möchte ich schon heute meine besten Wünsche für das Weihnachtsfest zum Ausdruck bringen und ihnen die Fülle des Segens vom Herrn erbitten, der zu uns mit seinen himmlischen Gaben kommt: der Einheit, des Dialogs, der Eintracht, des Friedens und der Liebe. Ich bitte sie herzlich darum, diese Wünsche auch Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu überbringen, verbunden mit dem Dank des Heiligen Vaters Franziskus für ihren selbstlosen Dienst am Volk Gottes, das Euch zur Seelsorge anvertraut ist.

Möge das kommende Fest der Geburt Christi in jedem den Willen festigen, sich mit neuem Eifer der Evangelisierung und der Förderung des Menschlichen zu widmen, indem wir unsere Kräfte und guten Absichten im Gebet des Herrn vereinen: Alle sollen eins sein (Joh 17,21). Vielen Dank!

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