Predigt von Nuntius Eterovic am 5. Sonntag im Jahreskreis

Berlin, 9. Februar 2020

(Jes 58,7-10; Ps 112; 1 Kor 2,1-5; Mt 5,13-16)

„Ihr seid das Salz der Erde. … Ihr seid das Licht der Welt“(Mt 5,13.14).

Liebe Schwestern und Brüder!

Das Wort Gottes, das wir gehört haben, erinnert uns an das große Geschenk, das wir von Gott empfangen haben: den Glauben. Zugleich ruft es uns aber auch die persönliche und kirchliche Verantwortung in Erinnerung, denn diese Gabe ist uns nicht für uns allein gegeben, sondern zum Wohl vieler, vor allem für die Menschen, denen wir auf unserem Lebensweg begegnen. Lassen wir uns vom Heiligen Geist führen, der uns immer tiefer in die Schrift vordringen lässt, und bedenken wir gemeinsam die Bedeutung des Evangeliums an diesem fünften Sonntag im Jahreskreis. Es ist nämlich wesentlich und ruft in uns die Worte des Herrn Jesus wach: „Ihr seid das Salz der Erde. … Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,13.14).

1. „Ihr seid das Salz der Erde“ (Mt 5,13).

Der Evangelist Matthäus führt uns zum Schauplatz der Seligpreisungen, die er im fünften Kapitel seines Evangeliums aufzeichnet und das mit Bergpredigt überschrieben ist. Darin wird uns das Wesen des Christentums präsentiert, seine Magna Charta. Jesus Christus verwendet einfache Worte und Symbole, die jeder versteht, um zu zeigen, wie wichtig die Wirklichkeit unseres Glaubens ist. Der Herr tut dies auf positive wie auf negative Weise, um die wahre Bedeutung seiner Worte besser auszudrücken.

Im positiven Sinn sagt Jesus den Aposteln und dem Volk: „Ihr seid das Salz der Erde“. Alle Zuhörer wissen aus eigener Erfahrung um den Wert von Salz. Salz gibt der Nahrung den Geschmack. Zurzeit Jesu war Salz zur Konservierung von Lebensmitteln unverzichtbar, da es die modernen Techniken hierfür noch nicht gab. Doch auch heute wird das Salz noch verwendet, um auf natürliche Weise einige Lebensmittel zu trocknen und haltbar zu machen. Salz der Erde zu sein, bedeutet eine Sendung, die alle Menschen betrifft. Mit anderen Worten heißt das, daß alle Bewohner unserer Erde Salz brauchen, um normal leben zu können. Nach den Worten Jesu sind die Christen dazu gerufen, Salz der Erde zu werden. Das bedeutet, sie sollen den Menschen den Geschmack des Lebens anbieten, den Sinn ihrer Existenz. Diese Notwendigkeit verlangt heute eine von den Zeiten Jesu unterschiedene Dimension. Denn alle, die ihn damals hörten, waren Gläubige. In unserer heutigen säkularen Gesellschaft leben viele Männer und Frauen, als gäbe es Gott nicht. Es fehlt daher das Salz, der Sinn, den allein der Glaube an Gott bieten kann. Also ist die erste Berufung der Christen, Zeugen Gottes in der Welt zu sein. Mit ihrem persönlichen, familiäre und sozialen Leben sind sie gerufen, die Existenz Gottes zu bezeugen, daß er lebt und im Herzen eines jedes Menschen gegenwärtig ist, daß die menschliche Person sich nur im Dialog mit Gott allein vollkommen verwirklichen kann. Der Vorrang des christlichen Zeugnisses wird von der Verkündigung des Evangeliums begleitet, der Kunde von der guten Nachricht, daß Gott existiert, daß er sich den Menschen offenbart hat und mit ihnen im Dialog der Liebe und des Heils sein möchte.

In negativer Weise warnt der Herr Jesus vor verdorbenem Salz: „Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen?“ Er antwortet selbst auf diese Frage und sagt: „Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden“ (Mt 5,13). Symbolisch bedeutet das, Salz verliert seinen Geschmack und dient nicht mehr zu seiner natürlichen Bestimmung, denn wenn es verdorben ist und keine Würze mehr hat, kann es nicht länger die Lebensmittel konservieren. Analog geschieht so etwas leider auch im Glaubensleben. Das passiert, wenn Christen nicht länger den Herrn Jesus, den Mensch und Gott, verkünden, wie er am Kreuz starb und zur Auferstehung gelang, die das Fundament des ewigen Lebens für alle ist, die an ihn glauben. Es handelt sich dann um den in einen neutralen Diskurs veränderten Glauben, der sich damit rechtfertigt, niemanden kränken oder herausfordern zu wollen. Der Verzicht oder gar die Beseitigung der transzendentalen Dimension unserer Verkündigung oder unseres Zeugnisses steht für das Salz, das seinen Geschmack verloren hat und nur noch dazu dient, zertreten zu werden. Ein solches Christentum ist ohne Würze und verliert seine Anziehungskraft.

2. „Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,14).

Der Herr Jesus verwendet auch das Lichtsymbol in zweifacher Hinsicht, positiv wie negativ, und in einer Weise, die seine Zuhörer gut verstehen konnten. Licht meint den Tag, eine gute Sicht und die Freude am Leben. Das Licht besiegt die Finsternis und erlaubt den Menschen, die Welt, in der sie leben, und die Personen, denen sie begegnen und mit welchen sie kommunizieren, gut zu sehen. Jesus hat das Symbol des Lichts verwendet, um sich selbst und seine Mission zu beschreiben: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Joh 8,12). Die Christen sind dazu gerufen, das Licht des Herrn Jesus in ihrem Leben widerzuspiegeln: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,14).

Auch die negative Ausdrucksweise Jesu erlaubt ihm, die vornehmliche Aufgabe des Lichts zu unterstreichen, nämlich die Menschen und die Welt zu erhellen. „Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus“ (Mt 5,14). Der Christ muss in seiner Natur das Licht seines Herrn Jesus Christus widerspiegeln, was sich mit den Tugenden von Glaube und Liebe verbindet.

Mit dem Glauben. Der Heilige Paulus ist in der Gemeinde in Korinth nicht aufgetreten, „um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen“, sondern um seinen Herrn zu verkünden, „Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten“ (1 Kor 2,1-2). Bei seinen Ansprachen handelte es sich nicht um gekonnte Überredung, „sondern (sie waren) mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden“, damit ihr Glaube sich „nicht auf Menschenweisheit stützte, sondern auf die Kraft Gottes“ (1 Kor 2,4-5). So wie der Heilige Paulus, so sind auch wir Christen gerufen, den Menschen das Licht Jesu Christi zu bringen, des Gekreuzigten und Auferstandenen, der in seiner Kirche gegenwärtig ist, deren aktive Mitglieder wir sind.

Mit guten Werken. Der Glaube wird sichtbar in Werken des Lichtes. Das haben wir in der ersten Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja gehört. Die Werke der Liebe sind: das Brot mit den Hungrigen teilen, die Armen und Obdachlosen ins Haus aufnehmen, die Nackten kleiden. Ohne den Blick von den Leuten abzuwenden, geschehen die Werke des Lichts: „Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot“ (Jes 58,8). Der Prophet wiederholt und präzisiert noch besser diese Wahrheit: „Wenn du Unterjochung aus deiner Mitte entfernst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemandem übel nachredest, den Hungrigen stärkst und den Gebeugten satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag“ (Jes 58,9-10). Jesus Christus vervollständigt die Botschaft des Alten Testamentes und lehrt: „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,16).

Liebe Brüder und Schwestern, das Wort Gottes richtet sich an jeden von uns und ermahnt uns dazu, immer stärker zum Salz der Erde und zum Licht der Welt zu werden. Weil wir unserer Grenzen bewußt sind, vertrauen wir uns der Fürsprache der heiligen Fürsprecher an, besonders der seligen Jungfrau Maria, die das Wort ihres Sohnes und Herrn gehört und in die Tat umgesetzt hat. Ihre Fürsprache und ihr Beispiel möge uns und der ganzen Kirche helfen, den zeitgenössischen Menschen das wahre Salz der Weisheit und der Hoffnung und das nötige Licht zu geben, um auf dem rechten Weg zu gehen, der durch diese Welt zum Heil und zum ewigen Leben führt. Amen.

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