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Grußwort des Apostolischen Nuntius Erzbischof Dr. Hubertus van Megen beim Antrittsempfang für das Diplomatische Corps

2026-11-04 15:16 von admin2

Apostolische Nuntiatur, 4. November 2026

Exzellenzen,
verehrte Kolleginnen und Kollegen,
meine Damen und Herren!

es ist mir eine große Freude und Ehre, Sie heute willkommen zu heißen.

Wir kommen aus unterschiedlichen Ländern, Kulturen, Sprachen und Traditionen. Doch unsere Anwesenheit hier verbindet uns in einer gemeinsamen Überzeugung: Dialog ist unverzichtbar, Zusammenarbeit bleibt möglich, und Frieden ist ein Ziel, für das sich jedes Bemühen lohnt.

Wir leben in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen. Kriege verursachen großes Leid. Geopolitische Spannungen prägen die internationale Ordnung neu. Wirtschaftliche Unsicherheiten, gesellschaftliche Polarisierung und der rasante technologische Wandel stellen Staaten und Gesellschaften vor erhebliche Herausforderungen.

Zugleich wird immer deutlicher: Die großen Fragen unserer Zeit lassen sich nicht allein lösen. Sie verlangen Zusammenarbeit, gegenseitiges Verständnis und die Bereitschaft zum Gespräch.
Gerade darin liegt die besondere Aufgabe der Diplomatie. Als Diplomaten vertreten wir die Interessen unserer Länder. Doch unsere Verantwortung reicht weiter. Wir halten den Dialog offen, auch dann, wenn Positionen weit auseinanderliegen. Wir schaffen Räume für Vertrauen, wo Misstrauen gewachsen ist. Und wir bauen Brücken dort, wo Gräben entstanden sind.

Die Geschichte zeigt uns, dass Diplomatie Unterschiede nicht beseitigt. Das ist auch nicht ihre Aufgabe. Ihre Aufgabe besteht darin, Wege zu finden, mit diesen Unterschieden friedlich umzugehen. Oft ist ihr erster Erfolg noch nicht die Einigung. Oft besteht er zunächst darin, das Gespräch nicht abreißen zu lassen.

In diesem Zusammenhang möchte ich der Bundesrepublik Deutschland unseren aufrichtigen Dank aussprechen. Deutschland hat über viele Jahrzehnte sein Engagement für Multilateralismus, internationale Zusammenarbeit und Dialog unter Beweis gestellt. Die diplomatische Gemeinschaft weiß die Unterstützung durch das Auswärtige Amt und die vielen Institutionen zu schätzen, die unsere Arbeit fördern und erleichtern.

Exzellenzen,

aus der Sicht des Heiligen Stuhls ist Diplomatie weit mehr als ein Beruf. Sie ist ein Dienst. Ein Dienst am Frieden, am Dialog und an der Würde jedes Menschen.
Gewiss verfolgen Staaten ihre legitimen Interessen. Doch die Diplomatie erfüllt ihre höchste Aufgabe dort, wo sie zugleich dem Wohl der gesamten Menschheitsfamilie dient.
Der Heilige Stuhl versteht Diplomatie daher als Dienst der Begegnung. Ihr Ziel besteht nicht allein darin, Abkommen auszuhandeln. Es geht ebenso darum, Vertrauen wachsen zu lassen, Verständnis zu fördern und die Voraussetzungen für einen gerechten und dauerhaften Frieden zu schaffen.

Manche mögen das idealistisch nennen. Die Erfahrung der Geschichte zeigt jedoch das Gegenteil. Immer wieder wurden Konflikte durch Verhandlungen überwunden, Versöhnung durch Begegnung möglich gemacht und Frieden durch beharrlichen Dialog aufgebaut.

Dabei dürfen wir die menschliche Dimension unserer Arbeit niemals unterschätzen. Bevor Vertrauen zwischen Staaten entstehen kann, muss Vertrauen zwischen Menschen wachsen. Hinter erfolgreichen Verhandlungen stehen fast immer persönliche Beziehungen, die über Jahre hinweg mit Geduld, Respekt und Verlässlichkeit aufgebaut wurden.

Eine weitere Herausforderung unserer Zeit ist die Entwicklung der künstlichen Intelligenz und digitaler Technologien. Die Chancen sind enorm. Sie können Wissenschaft, Bildung, Gesundheitsversorgung und wirtschaftliche Entwicklung fördern. Gleichzeitig stellen sie uns vor grundlegende ethische Fragen. Fragen nach der Menschenwürde. Fragen nach Verantwortung und Freiheit. Fragen nach Gerechtigkeit und dem verantwortungsvollen Umgang mit Macht.
Technologischer Fortschritt muss immer dem Menschen dienen. Er kann vieles leisten, aber er kann weder menschliche Weisheit noch moralisches Urteilsvermögen ersetzen. Deshalb müssen Innovation und Ethik Hand in Hand gehen.

Exzellenzen,

das Diplomatische Korps ist eine einzigartige Gemeinschaft. Wir teilen nicht immer dieselben Ansichten. Das müssen wir auch nicht. Gerade die Vielfalt der Nationen, die wir vertreten, ist ein Reichtum der internationalen Gemeinschaft.

Was uns verbindet, ist die Überzeugung, dass Dialog besser ist als Schweigen, Zusammenarbeit besser als Isolation und Frieden besser als Konflikt. Die Erfolge der Diplomatie bleiben oft unsichtbar. Nur selten werden sie öffentlich wahrgenommen. Doch jedes vermiedene Missverständnis, jede entschärfte Spannung und jeder offengehaltene Kommunikationskanal sind wichtige Beiträge zum Frieden. Unsere Welt braucht heute Menschen, die zuhören können. Menschen, die verstehen wollen, bevor sie urteilen. Menschen, die ihre Überzeugungen vertreten und zugleich die Würde ihres Gegenübers achten. Kurz gesagt: Unsere Welt braucht Diplomaten.

Lassen Sie mich daher mit einem Wort der Zuversicht schließen.

Die Herausforderungen unserer Zeit sind groß. Doch die Geschichte erinnert uns immer wieder daran, dass die Menschheit die Fähigkeit besitzt, Spaltungen zu überwinden und neue Wege der Zusammenarbeit zu finden. Immer wieder hat sich gezeigt, dass Dialog stärker sein kann als das, was uns trennt.

Möge unser Dienst hier in Deutschland zu diesem Geist beitragen.
Möge er die Freundschaft unter den Nationen stärken.
Möge er das Verständnis zwischen den Völkern vertiefen.
Möge er Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität fördern.

Und mögen wir nie das Vertrauen verlieren in die Kraft des Dialogs, in die Würde der Diplomatie und in die Wahrheit, dass wir trotz aller Unterschiede einer einzigen Menschheitsfamilie angehören.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Apostolische Nuntiatur

Lilienthalstraße 3A
10965 Berlin

Postfach 61 30 58
10941 Berlin

Tel.: 030 61 62 40
Mail: apostolische@nuntiatur.de

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