Predigt von Nuntius Eterovic am 1. Fastensonntag

Apostolische Nuntiatur, 22. Februar 2026

(Gen 2,7-9; 3,1-7; Ps 51; Röm 5,12-19; Mt 4,1-11)

„Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen“ (Mt 4,10).

Liebe Brüder und Schwestern!

Zu Beginn der Fastenzeit legt uns die Kirche erneut das Evangelium von den Versuchungen Jesu vor. Er wurde „vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden“ (Mt 4,1). Diese Versuchungen fanden vor Beginn seines öffentlichen Wirkens statt. Sie bilden die Grundlage für die Verkündigung des Evangeliums, der Guten Nachricht, an das jüdische Volk und durch dieses an die ganze Welt. In der ersten Lesung aus dem Buch Genesis erkennen wir, dass es seit Anbeginn der Menschheit Versuchungen gab, so wurden unsere Vorfahren Adam und Eva vom Teufel versucht und ebenso auch Jesus in der Wüste. Der grundlegende Unterschied liegt in der Reaktion: Jesus überwand die Schlingen des Teufels, während Eva und Adam ihnen kopfüber verfielen. Auch wir werden ständig vom Teufel versucht, dessen Name „der Spalter“, „Verleumder“, „Ankläger“ bedeutet und der Zwietracht sät. Wenn wir uns allein auf unsere menschliche Kraft verließen, würden wir dasselbe Schicksal erleiden wie unsere Stammeltern. Durch das Sakrament der Taufe sowie im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe sind wir mit dem Herrn Jesus vereint und können so den Satan und seine Versuchungen überwinden. So erfahren wir die Wahrheit der Worte des Apostels Paulus: „Wie es also durch die Übertretung eines Einzigen für alle Menschen zur Verurteilung kam, so kommt es auch durch die gerechte Tat eines Einzigen für alle Menschen zur Gerechtsprechung, die Leben schenkt. Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern gemacht worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werde“ (Röm 5,18–19).

Lasst uns unsere Herzen dem Heiligen Geist öffnen, damit er, wie er einst Jesus in die Wüste führte, um versucht zu werden, auch uns zur rettenden Begegnung mit dem Herrn führt, dem Bezwinger dreier Versuchungen, denen auch wir und alle Menschen unserer Zeit ausgesetzt sind.

1. Die Versuchung des Materialismus

Die erste Versuchung betrifft die Nahrung, die Jesus nach vierzig Tagen Fasten in der Wüste benötigte. „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass diese Steine zu Brot werden“ (Mt 5,3). Es war eine wohlüberlegte Versuchung. Der Teufel spricht zu Jesus mit den Worten, mit denen Gott der Vater seinen eingeborenen Sohn bei dessen Taufe vorgestellt hatte: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (Mt 3,17). Der Versucher spielt sodann auf Jesu Macht an, Wunder zu wirken. Tatsächlich vollbrachte der Herr während seines öffentlichen Wirkens ähnliche Zeichen, indem er beispielsweise Tausende mit fünf Broten und zwei Fischen speiste (vgl. Mt 14,13–21). Solche Wunder waren jedoch gerechtfertigt, um anderen zu helfen, und nicht, um nach einer langen Zeit des Betens und Fastens die eigenen Bedürfnisse mit materiellen Gütern zu befriedigen. Jesus weist die Versuchung daher entschieden zurück und antwortete weise mit Bezug auf die Heilige Schrift: „In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Mt 4,4). Andererseits ermahnt uns das Wort Gottes selbst zur Großzügigkeit gegenüber unserem Nächsten, insbesondere gegenüber dem, der unter Hunger leidet. Das bedeutet, mit „dem Hungrigen dein Brot zu brechen“ (Jes 58,7).

Der Herr Jesus lädt seine Jünger daher ein, materielle Güter nicht über alles zu stellen und nicht egoistisch zu leben. An erster Stelle steht das Wort Gottes, die notwendige Nahrung für den menschlichen Geist, der vor allem „von jedem Wort lebt, das aus dem Mund Gottes kommt“. Im Wort Gottes finden Gläubige Inspiration und Anleitung, wie sie materielle Güter richtig genießen und vor allem mit anderen teilen können, insbesondere mit den Bedürftigen. In diesem Sinne ist es gerade das Wort Gottes, das uns drängt, den Hunger in unserer Welt zu bekämpfen, unter dem etwa 700 Millionen Menschen, unsere Brüder und Schwestern, leiden. Um diesen Skandal zu beseitigen und den Welthunger zu besiegen, wären nur 3 Prozent der Militärausgaben der reichen G7-Staaten nötig, dieses Ziel zu erreichen. Lasst uns beten, dass das Wort Gottes in dieser Fastenzeit unsere Herzen berührt, damit wir Gottes Wort stets an die erste Stelle setzen und unser Leben nicht auf eine rein materielle Dimension beschränken, sondern es auch für die Transzendenz, für Gott und die Werte Seines Reiches öffnen.

2. Die Versuchung der religiösen Zurschaustellung

Entschieden weist der Herr die Versuchung des religiösen Exhibitionismus zurück, jenen Wunsch, die Religion zur Schau zu stellen, den ihm der Teufel mit den Worten einflüsterte: „Wenn du Gottes Sohn bist, so stürze dich hinab“ (Mt 5,6). Er zitierte auch die Bibel: „Denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt“ (Mt 5,6). Auf das Zitat aus Psalm 90,10-11 antwortete Jesus mit dem Vers aus dem Buch Deuteronomium 6,16: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen“ (Mt 4,7). Die Versuchung des Teufels zielte darauf ab, den Menschen die außergewöhnliche Macht Jesu zu demonstrieren.

Doch der Herr wollte diese nicht für Prestige und Zurschaustellung missbrauchen. Während seines öffentlichen Wirkens vollbrachte Jesus, wenn nötig, viele Wunder, um Gott zu preisen, den Kranken an Leib und Seele zu helfen und Gott, die Quelle dieser Macht, zu loben. Offensichtlich steht dies im völligen Gegensatz zum Exhibitionismus, dem Versuch, Menschen mit eigener Macht zu beeindrucken. Deshalb lehrt uns der Herr Jesus auch, jegliche religiöse Zurschaustellung zu meiden. Wir dürfen Gott nicht instrumentalisieren, indem wir ihn zwingen wollen, unsere Wünsche zu erfüllen oder Wunder zu wirken. Ein wahrer Jünger Jesu im Dienste Gottes hingegen weiß, dass Er uns liebt und in seiner Vorsehung unsere Bedürfnisse kennt noch bevor wir sie ihm vortragen. Natürlich sind wir in unserem Vertrauen als Kinder des Vaters frei, unsere Wünsche und Vorlieben zu äußern, aber stets mit Respekt vor Gottes Freiheit. Wir können dies mit den Worten unseres Herrn Jesus tun, die er an den Vater richtete: „Dein Wille geschehe“ (Mt 6,10). Voller Vertrauen in die göttliche Vorsehung sind wir sicher, dass Gott nur Gutes für uns tun wird.

3. Die Versuchung der Macht

Der Teufel wusste, dass Jesus sich als der Messias, der König zeigen wird, der laut der Heiligen Schrift die ganze Welt unterwirft (vgl. Ps 110,1). Deshalb beschloss er, ihn in diesem Bereich zu versuchen: „Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest“ (Mt 5,8–9). Satan offerierte Jesus Macht auf einem kurzen Weg an, ohne Kreuz, ohne Leiden und Tod. Die Bedingung war jedoch, vor ihm niederzufallen und ihn anzubeten. Angesichts dieser kühnen Versuchung antwortete Jesus entschlossen und trieb den Versucher aus: „Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen“ (Mt 5,10).

Diese Versuchung vereint Machtgier und Götzendienst. Beides war Jesus und seinem messianischen Bewusstsein völlig fremd. Er musste beides entschieden zurückweisen, da sie seinem Auftrag widersprachen. Jesus verstand sich als Diener Gottes, der durch Leiden und Tod in die Herrlichkeit der Auferstehung eingehen und König des Universums werden sollte. Seine Beziehung zu Gott dem Vater war einzigartig und unwiederholbar, und deshalb war Satans Versuchung anstößig und gotteslästerlich.

Indem Jesus Christus bekräftigt, dass wir den Herrn, unseren Gott, anbeten und ihm allein dienen müssen, erteilt er uns eine wichtige Lektion. Christen können dem dreieinigen Gott nicht treu bleiben und gleichzeitig Götzen und den Satan über seine Stellvertreter von Geld, Macht und Vergnügen anbeten. Unsere Anbetung gebührt allein Gott, der sich als Vater, Sohn und Heiliger Geist offenbart hat. Um seinen Segen zu erlangen, müssen wir nach der Lehre des Herrn Jesus durch ehrliche und beharrliche Arbeit sowie mit lauteren und rechtmäßigen Mitteln danach streben, das Ziel des christlichen Lebens zu erreichen, das in der Liebe zu Gott und zum Nächsten besteht (vgl. Mt 22,37–40).

Liebe Brüder und Schwestern, wir vertrauen diese Überlegungen der mütterlichen Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an, der Mutter der Kirche, damit wir und alle Jünger Jesu unserem Meister und Herrn nachfolgen, indem sie den Versuchungen des Teufels widerstehen und sein Gebot erfüllen: „Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen“ (Mt 4,10). Amen.

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