Predigt von Nuntius Eterovic am 3. Sonntag im Jahreskreis

Apostolische Nuntiatur, 25. Januar 2026

(Jes 8,23-9,2; Ps 27; 1 Kor 1,10-13.17; Mt 4,12-23)

„Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe“ (Mt 4,17).

Liebe Brüder und Schwestern!

Mit dem Motu Proprio Aperuit illis vom 30. September 2019 legte Papst Franziskus fest, dass der dritte Sonntag im Jahreskreis der Betrachtung des Wortes Gottes gewidmet sein soll. Der Titel des Dokuments stammt aus der biblischen Geschichte des Lukas: „Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften“ (Lk 24,45). Somit ruft uns der Titel des Motu Proprio bereits dazu auf, das Wort Gottes in der Heiligen Schrift neu zu entdecken. Anlass für die Abfassung des päpstlichen Erlasses war der 1600. Todestag des heiligen Hieronymus, eines bedeutenden Gelehrten der Heiligen Schrift, der die Bibel aus dem Urtext ins Lateinische, die damalige Volkssprache des Westens, übersetzt hatte.

Deshalb wird unsere Betrachtung an diesem Sonntag etwas anders aussehen: Wir werden zwar die gelesenen biblischen Texte berücksichtigen, uns aber ansonsten auf die Bedeutung des Wortes Gottes und insbesondere der Heiligen Schrift konzentrieren.

Die Analogie des Wortes Gottes

Zunächst müssen wir die Vielschichtigkeit des Wortes Gottes hervorheben. Wir können mit Recht von einer „Symphonie des Wortes“ sprechen, einem einzigen Wort, das sich auf vielfältige Weise ausdrückt: „ein mehrstimmiger Gesang“ (Verbum Domini, Nr. 7). Die Schöpfung selbst, das Buch der Natur (liber naturae), ist Teil dieser Symphonie des Wortes Gottes. Das eine Wort Gottes drückt sich durch die geschaffene Welt aus. In diesem Zusammenhang schrieb der heilige Paulus, dass die unsichtbare Vollkommenheit Gottes, „seine ewige Kraft und Göttlichkeit, seit Erschaffung der Welt in den Werken der Schöpfung deutlich zu erkennen sind“ (Röm 1,20). Darüber hinaus besitzt der Mensch, der nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen wurde (vgl. Gen 1,26-27), ein Gewissen, das Gesetz, das „in das Herz geschrieben“ ist (vgl. Röm 2,15; 7,23), welches es ihm ermöglicht, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und letztlich auch die Stimme Gottes in der Tiefe unserer Herzen darstellt.

In seiner unendlichen Güte offenbarte Gott sein Wort im Laufe der Heilsgeschichte. So sprach er deutlich zu den Auserwählten, welche die göttlichen Offenbarungen schriftlich festhielten. Durch die Kraft des Heiligen Geistes „sprach Gott durch die Propheten“ (Nicäno-Konstantinopolitanisches Glaubensbekenntnis). Diese Offenbarung erstreckte sich über das gesamte Alte Testament und dauerte etwa tausend Jahre, vom 10. Jahrhundert vor Christus bis zu seinem Kommen. In der Person Jesu Christi, des fleischgewordenen Wortes (vgl. Joh 1,14), erreichte die Offenbarung ihre Fülle. In ihm sprach Gott der Vater in der Gnade des Heiligen Geistes das einzige und endgültige Wort, das der Menschheit gegeben wurde. Der heilige Johannes vom Kreuz brachte diese Wahrheit auf wunderbare Weise zum Ausdruck: „Da Gott uns seinen Sohn geschenkt hat, der sein einziges und endgültiges Wort ist, hat er uns in diesem einzigen Wort alles auf einmal gesagt und nichts mehr hinzuzufügen ... Denn was er ehedem den Propheten nur teilweise kundgetan hat, das hat er in seinem Sohn vollständig mitgeteilt, indem er uns dieses Ganze gab, seinen Sohn. Wer darum den Herrn jetzt noch befragen oder von ihm Visionen oder Offenbarungen haben wollte, der würde nicht bloß unvernünftig handeln, sondern Gott beleidigen, weil er seine Augen nicht einzig auf Christus richtet, sondern Anderes und Neues sucht“ (Aufstieg zum Berg Karmel, II, 22). Daher ist im Christentum der Ausdruck „Wort Gottes“ analogisch und hat vielfältige Bedeutungen, bezeichnet aber vor allem „die Person Jesu Christi, den menschgewordenen ewigen Sohn des Vaters“ (Verbum Domini, Nr. 7).

Die heutigen Lesungen verdeutlichen, dass der Herr Jesus in seiner Person die gesamte Heilige Schrift, das Alte und Neues Testament, zusammenfasst. In ihm erfüllt sich die Prophezeiung Jesajas (vgl. Jes 8,23–9,1). Der Evangelist Matthäus berichtet, dass sich Jesus nach der Verhaftung Johannes des Täufers nach Kafarnaum in Galiläa zurückzog, „denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen“ (Mt 4,14–16). Der heilige Matthäus war ein treuer Jünger Jesu Christi und folgte der von seinem Meister gewohnten Auslegung der Heiligen Schrift. Der Herr Jesus selbst bezog beispielsweise die Prophezeiung des Jesaja auf sich und erklärte: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt“ (Lk 4,21). Mit den beiden Jüngern von Emmaus sprach der auferstandene Herr: „Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht“ (Lk 24,27).

Unkenntnis der Heiligen Schrift – Unkenntnis Christi

Unkenntnis der Heiligen Schrift bedeutet Unkenntnis Christi, wie der heilige Hieronymus mit Nachdruck bekräftigte (Commentariorum in Jesaiam libri, Prol.: PL 24, 17). Daher ist die Kenntnis der Heiligen Schrift einer der wichtigsten Wege, Jesus kennenzulernen. Man muss sich also mit den sogenannten kanonischen Büchern vertraut machen, die von der katholischen Kirche anerkannt werden. Dies sind die 73 Bücher der Bibel, von denen 46 zum Alten und 27 zum Neuen Testament gehören. Die fünf Bücher der Tora (der Pentateuch), die 21 Bücher der Propheten (die Nebiim) und die 13 Büchern der Ketubim – gehören zur Heiligen Schrift der Hebräischen Bibel, die auch von Protestanten anerkannt werden. Darüber hinaus erkennen die Katholische Kirche und die Orthodoxie auch die in Griechisch verfassten Weisheitsbücher und somit alle sieben Bücher der Weisheit als kanonische Bücher an. Das Neue Testament, jener Teil der christlichen Bibel, besteht aus den vier Evangelien, verfasst von den vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, der Apostelgeschichte, der Offenbarung und den 21 Apostolischen Briefen. An jedem Sonntag und Feiertag bietet die Kirche vier Lesungen an: zwei aus dem Alten und zwei aus dem Neuen Testament. Konkret handelt es sich dabei um die erste Lesung und den Antwortpsalm, während aus dem Neuen Testament die zweite Lesung, in der Regel vom Apostel Paulus, und ein Text aus einem der vier Evangelisten vorgetragen werden.

Nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils erweiterte die Kirche erheblich den Inhalt der Wortgottesdienste, auch im Rahmen der täglichen Eucharistiefeiern. Dies geschah, damit die Christen das Wort Gottes besser kennenlernen und dadurch Jesus Christus näherkommen, den einige Kirchenväter das Verbum (das Wort) nannten, womit Gott sein Wort kurz gemacht hat: „Der Sohn selbst ist das Wort, der Logos; das ewige Wort hat sich klein gemacht – so klein, dass es in eine Krippe passte. Es hat sich zum Kind gemacht, damit uns das Wort fassbar werde. Nun ist das Wort nicht nur hörbar, besitzt es nicht nur eine Stimme, jetzt hat das Wort ein Gesicht, das wir sehen können: Jesus von Nazaret“ (Verbum Domini, Nr. 12).

Aus dem Gesagten verstehen wir, warum wir in der Kirche die Heilige Schrift so hoch verehren, obwohl der christliche Glaube keine Buchreligion ist: Das Christentum ist die Religion des Wortes Gottes, nicht „eines schriftlichen, stummen Wortes, sondern des menschgewordenen, lebendigen Wortes“ (Verbum Domini, Nr. 7), das uns den Auftrag zuruft: „Geht und macht alle Völker zu Jüngern“ (Mt 28,19). In diesem Sinne begrüßen wir die Mahnung von Papst Leo XIV.: „Christus im Mittelpunkt unserer Mission zu sehen; das Evangelium zu verkünden, das wissen wir alle sehr gut: Jesus Christus steht im Mittelpunkt. Wir wollen sein Wort verkünden und von daher kommt auch die Bedeutung eines eigenen authentischen geistlichen Lebens, das in der heutigen Welt Zeugnis sein kann.“ (Außerordentliches Konsistorium, Schlussansprache, 8. Januar 2026).

Wir vertrauen diese Betrachtungen der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an, der Mutter der Kirche, die uns lehrt, das Wort Gottes zu hören und es in unseren Herzen zu bewahren (vgl. Lk 2,19), damit es Teil unseres Lebens wird. So können auch wir die Wirksamkeit des Wortes Gottes erfahren, das bewirkt, was es sagt: „Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe“ (Mt 4,17). Amen.

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